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  • AutorenbildJulia Kerber

Meine bisher größte Herausforderung

Aktualisiert: 16. Mai

Als Standesbeamtin und freie Traurednerin ist es unerlässlich kreativ zu sein um eine besondere und einzigartige Traurede zu verfassen.

Bisher fiel mir das nicht unbedingt schwer aber im Oktober stand ich vor einer der größten Herausforderungen bisher.

Die Traurede für ein Familienmitglied.

Hört sich nicht schwer an, weil man eigentlich unzählige Erinnerungen und Erlebnisse hat, aber das zu verpacken stellte sich als super schwierig raus.

Zumal es sich um eine standesamtliche Trauung handelte.

Ich bin super dankbar die Möglichkeit bekommen zu haben, die Rede zu halten.

Dafür nochmal ein riesen Dankeschön an die zuständige Standesbeamtin in Berlin.

Schon zwei Monate vorher habe ich angefangen die Rede zu schreiben.

Ich wollte, dass sie perfekt wird.

Das alle Worte sitzen und von Herzen kommen.

Aber vor allem, dass sie die Herzen des Brautpaares bzw. der Familie treffen.

Naja, also begann ich zu schreiben und mir kamen bei fast jeder Zeile die Tränen.

Aber irgendwie hat mir die Rede nicht gefallen.

Also weglegen.

Nach 2 Wochen find ich wieder an zu schreiben.

Immer wieder musste ich die Rede weglegen und von neuem Anfangen.

Ich entschloss die ganze Familie des Brautpaares mit einzubeziehen.

Also schrieb ich alle an und lies mir ein paar persönliche Details zukommen.

 

Und dann ging es los.

Nach Berlin zur standesamtlichen Hochzeit.

Die Rede?

Ich fand sie ganz gut gelungen und war froh doch noch fertig geworden zu sein.

Einen Tag vor Eheschließung konnte ich kaum schlafen.

Ob allen die Rede genauso gut gefällt wie mir?

Ob sie so emotional ist wie ich es mir vorgestellt habe und wünsche?

Ob ich es schaffe ohne zu stocken oder tränen zu vergießen?

Ob ich überhaupt ein Wort rausbekomme?

Was ist, wenn niemand weint?Was ist, wenn ich etwas Falsches sage?

All diese Gedanken gingen mir die Nacht vorher durch den Kopf.

 

Und dann war er da.

Der Tag der Eheschließung!

Meine Uhr zeigte mir einen Puls von 140 an.

Ich war super nervös und selten so aufgeregt in meinem Leben.

Meine Familie wieder zu sehen und meinen Freund an der Seite zu haben beruhigte mich etwas aber richtig sicher war ich mir nicht.

 

Die Trauung fing an und nach ein paar Minuten forderte mich die Standesbeamtin auf nach vorne zu treten.

Ich glaube mein Herz ist für einen Moment stehen geblieben.

Tief Luftholen und los ging es.

Ich habe es kaum geschafft den Blick von meinen Blättern zu heben.

Meine Hände zitterten und ich musste immer wieder tief Luftholen und Pause machen.

Am schlimmsten wurde es als der Bräutigam und meine Familie anfingen zu weinen.

Laut.

Das war der Moment an dem ich nicht mehr konnte.

Mir liefen die Tränen übers Gesicht.

Mit verweinter Stimme und leicht zitternd brachte ich die Rede zu Ende.

Ich setzte mich wieder hin und die Standesbeamtin übernahm den rechtlichen Teil der Eheschließung.

 

Im Nachhinein die Größte aber auch Schönste Herausforderung in meiner Laufbahn als Standesbeamtin und freie Traurednerin.

Vielleicht sogar die Größte und Schönste Herausforderung als Tochter.

Ich bin froh diese Möglichkeit gehabt zu haben.

Aber auch, dass ich es hinter mir habe.


xoxo Julia

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